Bei der Digitalisierung und Virtualisierung von Ausbildung und Training im Gesundheitswesen beschäftigen wir uns sehr stark mit dem Bereich der Simulation.
Was versteht man genau unter Simulation? Und wie lassen sich Simulationen zielführend virtualisieren? Viele Grundlagen und Begrifflichkeiten sind in der medizinischen und pflegerischen Simulation schon gang und gäbe. Heute geben wir einen etwas tieferen Einblick und erklären die wesentlichen Ausdrücke.

Was ist eigentlich eine Simulation und wozu wird sie im Gesundheitswesen eingesetzt?

Eine Simulation stellt so realitätsnah wie möglich eine Situation aus der Wirklichkeit nach. Klinische Simulation ist die zeitgemäße Art, medizinisches Fachpersonal auszubilden und zu trainieren. Hierbei werden mittels menschenähnlichen Simulationspuppen Alltagssituationen simuliert und durchspielt, um kognitive, technische und verhaltensbezogene Fähigkeiten durch technologisch fortschrittliche und selbst erlebte Erfahrungen zu stärken. Diese Art des experimentellen Lernens ermöglicht es Fachleuten und Lernenden, relevante Kompetenzen einzuüben, zu testen und gleichzeitig Vertrauen in ihre Fähigkeiten aufzubauen, bevor sie in realen Situationen oder direkt am Patienten arbeiten.

Simulationszentrum

Simulationszentren sind Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für medizinisches Fach- und Assistenzpersonal aller Fachrichtungen, in denen die soeben beschriebenen Simulationen durchgeführt werden.
Der Bau eines Simulationszentrums ist mit einem enormen Planungsaufwand verbunden. Die technische Ausstattung und entsprechende logistische Planung sind sehr komplex. Zudem müssen Experten aus medizinischen Fachbereichen und Pädagogen bereits in die Planungsphase des Baus mit einbezogen werden. Einige Zentren verfügen über Simulationsräume, die exakte Nachbildungen eines Operationssaals, eines Kreißsaals, einer Notaufnahme, eines medizinisch-chirurgischen Stationszimmers, eines Intensivzimmer usw. darstellen. Nach Fertigstellung des Baus werden laufend Mittel für Wartung, Reparatur und Ersatz von Geräten benötigt.

Zahlreiche Trainingsszenarien lassen sich mittlerweile in sog. „Virtual Skill Labs“ simulieren. Hierbei werden Räume und Situationen nicht im Simulationszentrum sondern via Software nachgestellt. Der Trainierende kann die Szenarien dann beispielsweise über eine Virtual Reality Brille hautnah erleben. Die Trainingserfolge in der virtuellen Realität sind wissenschaftlich bestätigt.

→ Setzen Sie mit Virtual Skill Labs auf ressourcenschonende Simulationen

Mannequins – Die Hauptdarsteller medizinischer Simultionen

Mannequins sind menschenähnliche Simulationspuppen. Diese sind – je nach Einsatzzweck – rudimentäre Nachbildungen (auch einzelner Körperteile) oder original- und naturgetreue Human-Nachbildungen.

  • Mit einfacheren, sog. Low-Fidelity-Mannequins, werden medizinische Grundlagen trainiert. An diesen Simulatoren können oft nur einzelne spezifische Aufgaben oder Verfahren geübt werden. Beispiele sind IV-Arme (Armreproduktion mit punktierbaren Venen) oder CPR-Trainingspuppen (zur Herz-Lungen-Wiederbelebung).
  • Mid-Fidelity-Mannequins sind in der Regel Ganzkörper-Nachbildungen, haben jedoch nur wenige technische Komponenten und Interaktionspunkte.
  • High-Fidelity-Simulationspuppen, können durch verstärkten Einsatz technischer Komponenten deutlich mehr Szenarien und Reaktionen abbilden (z.B. Bewegungen, Geräusche…). Je nach Komplexität können sogar Blutungen oder komplexe Vorgänge wie z.B. eine Geburt simuliert werden.

Geburtssimulation mit einer High-Fidelity-Simulationspuppe. Die zusätzliche Augmented Reality (AR) Unterstützung zeigt die Vorgänge im Inneren der Patientin.

SimMan: das meist genutzte High-Fidelity-Mannequin

Die aktuell am häufigsten eingesetzte Version eines High-Fidelity-Simulators ist der SimMan 3G, der 2009 erstmals auf den Markt kam. Zu den Verbesserungen gegenüber dem SimMan Classic gehörten eine längere Akkulaufzeit, eine drahtlose Steuerung, ein interner Luftkompressor, ein neues Software-GUI-System, Flüssigkeitsanschlüsse, RFID-gekennzeichnete Medikamentenverwendung, HLW-Feedback, verbesserte Haut, sich erweiternde Pupillen und mehr. Der SimMan3G hat seit 2009 eine Vielzahl von inkrementellen Hardware-Verbesserungen erfahren und gehört zu den meistverkauften Patientensimulatoren der Welt.

Simulations- und Trainingsszenarien für medizinische Teams sind international bereits in digitaler und virtueller Form zugänglich. Hierfür eignet sich beispielsweise unsere Lösung “EducationXR”.

→ Mehr zu orts- und zeitabhängige Simulationstrainings

Simulations-Konferenzen & -Netzwerke

Konferenzen und der Austausch innerhalb von Netzwerken sind ein absolutes Muss für Fachleute, die Simulatoren in ihrer Einrichtung nutzen oder planen. Es gibt zahlreiche internationale Konferenzen, auf denen Vorträge und Austausch zu Trends und aktuellen Entwicklungen stattfinden. Seit mehreren Jahren ist hier auch ein zunehmend stärkerer Trend zu computerbasierten und virtuellen Simulationen erkennbar. Im deutschsprachigen Raum ist die InSim “the place to go”.

Die InSim findet dieses Jahr vom 28.-30. September statt – wir freuen uns schon dabei zu sein! Bis dahin sind unsere (Online-)Vorträge und Workshops natürlich auch jederzeit individuell buchbar.

→ Gleich anfragen!

Täuschend echt mit Moulage und SPX-Make-Up

Fast jedes Simulationszenario, das Krankeitsbilder aus Traumata oder Unfällen behandelt, erfordert Moulage, d.h. die künstliche Nachbildung z.B. von Wunden und Krankheitsbildern mittels SPX-Make-Up. Bei internistischen Szenarios innerer Erkrankungen finden diese Techniken eher weniger häufig Anwendung. Hier werden vorrangig einfache Moulagetechniken für realitätsnahe Simulation von Infektionen verwendet, z.B. Auftragen von Wasser zur Darstellung von Schwitzen aufgrund von Fieber oder die Verwendung von blauen Farben zur Darstellung von Blutergüssen. Komplizierte Moulagetechniken, wie zur Traumamodellage, erfordern in der Regel einen hohen Aufwand an Vorbereitung. Für weiterführende Informationen und Anleitungen können wir die Plattform “thesimtech” empfehlen.

Noch Fragen?

StellDirVor-Experte Dr. Mark Weinert freut sich auf den Austausch zur medizinischen Simulation.

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